Zu Hause

Seitdem ich die Kilometerzahl auf der Autobahn deutlich reduziert habe, ist auch mein digitales Mitteilungsbedürfnis geringer geworden.

Die Menschennähe lässt spüren, dass Digitales immer nur Ersatz für nicht vorhandenes persönlich Berührendes. Das ist so, als wäre dieses „1“ und „0“ ausreichend für die große Entfernung, wie Gänseblümchen  –  er liebt mich  –  er liebt mich nicht  –  ich bin da  –  ich bin nicht da  –  ich bin zu Hause  –  Du bist weit weg….

Die Blätter sind alle und ich muss den Stengel nicht wegwerfen, ich kann mich auf die Wiese legen, Schneeengel spielen und die Gläser am Abend klingen lassen, wenn der Grill raucht und die Türen weit offen stehen. Wieder angekommen.

Worte stehen nicht mehr auf dem weißen Hintergrund im Messenger sondern füllen den Raum. Kommen an und zaubern Lachfalten ins Gesicht, oft jedenfalls. Manchmal wird es auch lauter und manchmal zeigt sich, dass die Haut sehr dünn geworden ist unter der Spannung der Entfernung. Dann ist diese Anziehungskraft wieder anziehend, die Tränen nur kurzlebig und schnell getrocknet unterm Tempo von Dir.

Plötzlich gibt es auch wieder das Gefühl von Leichtigkeit, dass sich einstellt, wenn man unter Freunden nicht so Ernst genommen wird und sich trotzdem Ernst genommen fühlt. Wenn man mit beiden Rädern auf der Straße steht und gemeinsam Flügel bekommt im Fahrtwind.

Ich bin zu Hause.

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